23. April 2026IPAI Spaces Heilbronn · Alan-Turing-RaumWorkshop
Talk to the Bot – but make it count.
Rückblick auf den KI Salon bei IPAI Spaces Heilbronn: KI entmystifizieren, Bias live sichtbar machen und den eigenen bias-bewussten KI-Coach bauen — drei Säulen, ein Ziel, ein Nachmittag im Alan-Turing-Raum.
Am 23. April 2026 hieß es im Alan-Turing-Raum der IPAI Spaces Heilbronn: Talk to the Bot, but make it count. Gemeinsam mit Sirid habe ich einen Workshop gestaltet, der sich gezielt an Frauen und nicht-binäre Personen richtete — mit dem Ziel, KI nicht nur zu nutzen, sondern sie wirklich zu verstehen, ihre blinden Flecken zu erkennen und sie bewusst für sich arbeiten zu lassen.
Der Mittag stand unter einem klaren Motto:
Drei Säulen. Ein Ziel.
Entlarven: Wie KI wirklich funktioniert
Der erste Teil widmete sich den Grundlagen. Statt trockener Theorie haben wir mit Bildern gearbeitet, die hängen bleiben: dem Chinesischen Zimmer von John Searle, dem Lego-Karton als Analogie für Eingabe, Verarbeitung und Ausgabe, und einem Blick auf die drei zentralen Lernmechanismen — überwachtes, unüberwachtes und bestärkendes Lernen.
Genauso wichtig war der historische Blick zurück: Ohne Ada Lovelace, Grace Hopper, Fei-Fei Li oder Joy Buolamwini gäbe es die KI, wie wir sie heute kennen, nicht. Ein Punkt, der im Workshop bewusst Raum bekam.
Danach ging es direkt in die kritischen Themen: Halluzinationen, veraltete Information und — als zentraler roter Faden des gesamten Nachmittags — Bias.

Mit einem visuellen Bias-Test haben wir live gezeigt, wie unterschiedliche KI-Modelle (ChatGPT, Gemini, Mistral) auf identische Prompts reagieren — von „Hairdresser" über „Army General" bis hin zu „Boss & Assistant". Die Ergebnisse haben für sich gesprochen und eindrücklich gezeigt: KI ist kein neutrales Werkzeug. Sie spiegelt die Muster ihrer Trainingsdaten, inklusive aller gesellschaftlichen Schieflagen.
Gegensteuern: Strukturiertes Prompting
Im zweiten Teil ging es ans Eingemachte: Wie schreibt man Prompts, die bewusst gegen Bias und Vagheit ansteuern? Dafür haben wir das 5+1-Dimensionen-Framework eingeführt: Rolle, Kontext, Aufgabe, Format, Einschränkungen und optional Beispiele.
Am Vorher/Nachher-Beispiel mit dem Oktopus-Funfact wurde greifbar, wie viel Unterschied Struktur macht: Aus einem vagen „Erkläre mir einen Funfact" wurde ein präziser, zielgerichteter Prompt mit spürbar besserem Ergebnis.
Verankern: Der eigene KI-Coach
Im letzten und für viele intensivsten Teil ging es darum, das Gelernte dauerhaft nutzbar zu machen: Die Teilnehmerinnen haben ihren eigenen KI-Coach gebaut — einen Systemprompt, der konsequent auf gendergerechte, bias-bewusste Sprache ausgerichtet ist und bei jeder Konversation automatisch mitgilt.
In sechs Schritten — von der Rolle über Erfolgskriterien und Constraints bis zum iterativen Testen — haben die Teilnehmerinnen einen persönlichen Assistenten entwickelt, der aktiv auf Stereotype hinweist, anstatt sie zu reproduzieren.
Was bleibt
Drei Dinge haben die Teilnehmerinnen aus dem Nachmittag mitgenommen:
- KI entmystifiziert: Sie wissen jetzt, was wirklich passiert — und was nicht.
- Bias sichtbar gemacht: Live erlebt, nicht nur erklärt.
- Coach eingerichtet: Das Bewusstsein bleibt dauerhaft verankert.
Von der Nutzerin zur Gestalterin — genau darum ging es an diesem Mittag. Danke an alle, die dabei waren, und an Sirid für die großartige gemeinsame Moderation.

Jasmin Schmidt · KI-Governance, Risk & Ethics
Interesse an einem Workshop wie diesem? Ich biete Formate zu Bias-Erkennung, ethischen Prinzipien in der Praxis und EU-AI-Act-Grundlagen an — schreib mir oder wirf einen Blick auf das Workshop-Angebot.